PR-Agentur Blog

Wie verkauft man eine PR-Story?

Als ich als Reporterin gearbeitet habe und jemand versuchte, mir einen Artikel zukommen zu lassen, schreckte ich schon zurück, wenn ich nur ein Wort hörte:

„Ich bin Inhaber eines Süßwarengeschäftes in dem Einkaufszentrum an der Tuttle Street, und ich versuche, etwas Publicity dafür zu bekommen.“

Eine weitere ungeheuerliche Sünde:

„Ich bin Inhaber eines Süßwarengeschäftes in dem Einkaufszentrum an der Tuttle Street. Alle anderen Süßwarengeschäftsbesitzer in dieser Stadt haben schon gratis Publicity von Ihrer Tageszeitung erhalten – außer mir.“

Ich hätte fragen können, „Was ist denn so besonders an Ihrem Süßwarengeschäft?“ oder „Warum würde unsere Leser Ihre Geschichte interessieren?“

Aber weil der Anrufer die goldene Regel gebrochen und das gefürchtete Wort Publicity in den Mund genommen hat, grummelte ich etwas wie „Wenn Sie eine Anzeige kaufen wollen, dann kann ich Sie in die Anzeigenabteilung rüberstellen“.

Das ist, was wir in den 80ern und 90ern taten, als ich bei der Zeitung arbeitete. Heute jedoch hätten Sie nicht annährend so viel Glück. Heute sind Reporter so beschäftigt, dass sie Sie als Pest abstempeln würden.

Weil die meisten Journalisten nicht einmal Zeit haben, ihre Telefonate zu beantworten, müssten Sie versuchen, Ihren Beitrag per E-Mail an den Mann oder an die Frau zu bringen. Sie könnten somit Gefahr laufen, als Spammer markiert zu werden. Am Ende landet Ihre E-Mail im Junk-Mail-Ordner, und Sie kommen in Zukunft niemals mehr zum Reporter durch.

Sie könnten das gleiche Schicksal erleiden, wenn Sie die sogenannte „Spray-and-Pray-Technik“ anwenden und versuchen, den Artikel in „Einheitsgröße“ unterschiedlichen Medien anzubieten. Wenn Sie Ihren Vorschlag nicht auf das jeweilige Medium zuschneiden, bringen Sie einen  Journalisten niemals dazu, über Ihren Beitrag zu denken „Der ist perfekt für unsere Leser!“.

So bringen Sie Ihr Süßwarengeschäft in die Medien

„Ihr Artikel in der letzten Sonntagsausgabe über das Straucheln der lokalen Einzelhändler aufgrund der wirtschaftlichen Schieflage fiel mir ins Auge. Mein Süßwarengeschäft erlebt gerade das Gegenteil. Unsere Absätze gehen stetig nach oben. Ich vermute, es liegt an den schlechten wirtschaftlichen Zeiten. Menschen scheinen zu Schokolade zu greifen. Den Zusammenhang habe ich gezogen, als ich mich mit der Schokoladenindustrie vor fünf Jahren beschäftigte – bevor ich mein Geschäft eröffnet habe.

Wenn Sie einen Folgeartikel über das Einkaufszentrum planen oder Sie daran interessiert sind, mit anderen Schokolatiers, von denen ich weiß, dass sie gerade den gleichen Verkaufstrend wie ich beobachten, sprechen möchten, kann ich gerne den Kontakt herstellen. Vielleicht sind Sie auch an einem White Paper der American Chocolate Association, das eine kurze historische Zusammenfassung über Schokolade in schlechten wirtschaftlichen Zeiten gibt, interessiert?“

„Ich bin erreichbar unter….“

Wie Ihr Pitch funktioniert

Wenn ich der Reporter wäre, würde ich den Vorschlag sofort aufnehmen und daraus einen Artikel machen. Und darum würden Sie bei mir mit der Story landen:

  • Der Inhaber des Süßwarengeschäfts hat den Reporter wissen lassen, dass er den Artikel in der letzten Sonntagsausgabe über kleine Unternehmen gelesen hat. Der Shopbesitzer war smart genug, dem Journalisten zu vermitteln, dass er seine Zeitung liest und weiß, worüber der Reporter schreibt.
  • Er hat das Wort „Folge-“ benutzt. Dieses zählt zur Zeitungsfachsprache.
  • Der Beitragsvorschlag markiert einen Trend. Selbst wenn die Verkäufe im Süßwarengeschäft nicht wirklich hoch sind, haben Sie etwas angesprochen, das Sie in die Tat umsetzen könnten, wie das Veranstalten von Kindergeburtstagen oder Geschenkpartys für angehende Bräute in Ihrem Geschäft.
  • Der Inhaber bietet zwei Extras: Kontakte zu anderen Schokolatiers und ein White Paper.

Das Platzieren oder auch Pitchen von Storys zählt zu den schwierigsten Disziplinen selbst für professionelle PR-Leute. Wenn Sie nicht über genug Hintergrundinformationen und Erfahrung über das Medium verfügen, an das Sie herantreten wollen, könnte Ihr Vorhaben von Anfang an scheitern. Überlassen Sie das lieber einem Fachmann oder lassen Sie sich gut beraten.

Den Originalbeitrag „Never EVER use this word when pitching – or eat soap” lesen Sie in Joan Stewarts Blog „The Publicity Hound’s Blog”.

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hat diesen Beitrag am Freitag, 7. Oktober 2011, in der Kategorie Wissenswertes, Zeitgeschehen veröffentlicht und unter den Stichworten , , , , abgelegt
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