Warum ich nicht twittere
Kürzlich wies mich ein Twitterverweigerer auf einen interessanten Artikel auf TechCrunch hin: “Why I don’t use Twitter“. Geschrieben von einem, der es leid war sich für sein twitterloses Dasein zu rechtfertigen. Ich habe seinen Artikel für unser Blog adaptiert und stelle die Thesen zur Diskussion. Hier die Kernaussagen:
Tweets haben keinen Wert
Was ist ein Tweet? Eine Botschaft mit solch begrenzter Zeichenzahl kann nur nutzlos sein. Was man in diesem Zusammenhang in 140 Zeichen sagen kann, ist entweder trivial oder gekürzt. Also lässt man das Ganze entweder am besten ungesagt oder man sollte der Botschaft den Raum geben, den sie verdient. Natürlich gibt es Ausnahmen dieser Regel: “Es ist ein Mädchen!” zum Beispiel ist erstens ausreichend und zweitens wert, es jedem zuzurufen, den man kennt. Andererseits wissen wir, dass der Großteil der Twitterbotschaften weder Lebensveränderndes kommunizieren, noch 140 Zeichen geballten Witz oder Weisheit zu bieten haben.
Oben sagte ich “in diesem Zusammenhang”, was sich darauf bezieht, dass Tweets wahllos online verbreitet werden. Dies entwertet sie in meinen Augen zusätzlich. Eine komplett akzeptable Nachricht wie “Brunch im Highspot um eins!” wird unbedeutend und unpersönlich, wenn sie an so viele gesendet wird. Twitter ist wie ein Haufen Freunde, die alle um einen Tisch sitzen und jeder schreit wahllos gleichzeitig allen irgendwelche Dinge zu.Trotzdem sollen dabei alle zuhören. Konversation ist da unmöglich.
Natürlich kann ein Tweet einen Link beinhalten, der zu einem längeren Text führt. Aber einen Link zu tweeten, ist wie ihn an sein gesamtes Adressbuch zu versenden. Wenn man also denkt, jeder sollte etwas lesen, sollte die Nachricht besser relevant genug sein, um sie im Zweifel von der Spitze eines Berges aus jedem zuzurufen. Wie selten das ist!
Wenn man etwas zu sagen hat – warum dann nicht ein Blog aufsetzen und dort alle interessanten Gedanken, Botschaften und Links hineinsetzen und die Diskussionen dort ebenfalls stattfinden lassen? Interessante Blogs durchzulesen ist spannend. Ich mag nicht jedes Mal einen Link lesen, nur weil jemand den in diesem Moment gerade gefunden hat.
Twitter ist unvollständig
Die zahllosen Twitter-Services und Applications zeigen nur, wie unbeholfen Twitter ist. Wenn Twitter überlastet und down ist, lässt es die User mit Service A im Regen stehen. User aber wollen A, B, und C. Jeder Twitter-Service, der es erlaubt URL-verkürzte Bilder einzusetzen, zeigt genau, was Twitter hier für eine unterwältigende Leistung erbringt. Dass Twitter einfach ist, ist nicht das Geheimnis des Erfolges. Twitter sollte simpel sein, aber nicht fundamentalistisch.
Twitter ersetzt nichts und es fügt nichts Neues hinzu
Was hat man früher getan, um Dinge überall zu verbreiten? Sie mit dem Flugzeug an den Himmel schreiben lassen wahrscheinlich. Verglichen mit den neueren Möglichkeiten wie Facebooks feed, hat Twitter nicht mehr zu bieten als vorher schon da war.
News verbreiten sich unter Followern und Nicht-Followern gleichermaßen
News aus dem Hudson River, Botschaften aus Teheran. Was Nachrichtenwert hat, verbreitet sich auch ohne Twitter, zum Beispiel über Facebook, RSS, SMS oder E-Mails. Wenn eine Sache brandheiß ist, findet sie ihren Weg. Davon abgesehen: Gab es einen Mangel an Nachrichten und Informationen, bevor Twitter groß wurde? Eher nicht. Und darum:
Es ist die pure Eitelkeit
Sich permanent zur Schau zu stellen und nach Aufmerksamkeit zu schreien – ob es nun der Tweet über die letzte Tätigkeit oder die echt großartige Frisur oder den enorm lustigen Partywitz, den jeder hören soll: Eitelkeit! Twitter fördert sie. Dies ist ein philosophisches Argument, aber ich bin der Meinung, dass Menschen mehr bedeutungsvolle Dinge zu Menschen sagen sollten, die von genau dieser Botschaft auch betroffen sind. Das ist das Gegenteil von “Ich hasse Montage!” an alle zu senden. Es entspricht wahrscheinlich dem Ur-Hirn viele Follower als Einheit für Attraktivität zu verstehen; so eine Alphatier-Geschichte. Wenn man sendet, erhält man den Eindruck, Leute würden einem Aufmerksamkeit schenken. Und wer könnte dagegen ernsthaft etwas haben? Aber diese Form der Aufmerksamkeit ist leider etwas dünn, nebensächlich und zu weit verteilt heutzutage. Die Aufmerksamkeit, die man einem Tweet widmet, verdient in Wirklichkeit ihren Namen nicht. Twittern mag das Ego aufplustern, aber das ist ein falscher Trost. Und dieser kann den wahren Jakob – nämlich ehrliches Interesse und Aufmerksamkeit – nicht ersetzen.
Warum twittern Sie?
Ein langer Artikel, der auch noch um einige Absätze ergänzt werden könnte – nur um zu sagen “Ich mag lieber nicht twittern”. Genug davon.
Zuletzt die Frage an unsere Blog-Leser: Warum twittern Sie? Oder Warum twittern Sie nicht? Wir sind neugierig auf Ihre Antworten, alles ist möglich. Eine einzige Antwort aber lassen wir nicht gelten: “Weil alle es tun!”. Denn nur aus diesem Grunde haben wir früher Karottenhosen und Schulterpolster getragen.
|
| Tweet |
Beiträge mit ähnlichen Themen:

















7 Kommentare to 'Warum ich nicht twittere'
26. August 2009
Ich lese in erster Linie was andere sagen. Eine sehr effiziente Methode um zu hören, wo in Web 2.0 “die Musik spielt”. Auf Sender-Seite befinde ich mich noch in der Lernphase.
27. August 2009
Für mich selbst spielt Twitter im privaten Nutzen keine Rolle, hier halte ich es für kein sonderlich zweckmäßiges Kommunikationsmittel, ein paar Sonderfälle vielleicht einmal ausgenommen (wie z.B. eine relativ zeitnahe “Reiseberichterstattung”).
Ich nutze Twitter vornehmlich dazu mich durch die geposteten Links inspirieren zu lassen und an Informationen zu kommen, die mir ansonsten eventuell entgangen wären. Spannend finde ich den Einsatz von Twitter besonders bei einer Liveberichterstattung auf Seminaren/Tagungen/Kongressen. Hier ist es ein durchaus adäquates Mittel um eine Veranstaltung zu verfolgen zu können ohne dabei zu sein. Bei den meisten Veranstaltungen ist es einfach lästig wochenlang auf die zusammengefassten Kongressbände zu warten. Via Twitter sind Kernaussagen schnell gepostet – Vorsicht ist hier allerdings schon geboten, da viele Zitate einen verfälschten Sinn ergeben wenn man sie aus dem Zusammenhang reißt. Einige Twitterer beweisen hier jedoch ein gutes Händchen.
Noch eine kurze Anmerkung zu Ihrem Punkt “Twitter ist wie ein Haufen Freunde, die alle um einen Tisch sitzen und jeder schreit wahllos gleichzeitig allen irgendwelche Dinge zu.Trotzdem sollen dabei alle zuhören. Konversation ist da unmöglich.” Hier würde ich gern widersprechen, denn durch die schriftliche und chronologische Form kann man meines Erachtens sehr wohl in eine Konversation kommen. Twitter erlaubt einem auf einzelne Tweets zu antworten, im Zweifel auch Follower direkt anzusprechen ohne andere zu involvieren.
Spannend dürfte sicher werden in wie weit andere Dienste wie z.B. Facebook ähnliche Funktionen implementieren und wie sich Twitter dagegen abgrenzt.
27. August 2009
“Was ist ein Tweet? Eine Botschaft mit solch begrenzter Zeichenzahl kann nur nutzlos sein.” – Ich denke das gilt nur für twitterer die nicht die Begabung zum “sich kurz fassen” haben…:-) Es ist durchaus möglich, wie einige wenige twitter Accounts beweisen, über Twitter sinnvolle Informationen zu verbreiten. Unabhängig davon ist es auch möglich, dass ein Twitter Account zwar keinen informellen, aber durchaus unterhaltsamen Wert hat. Ich denke es ist deutlich einfacher in einem langen Blogartikel eine Information zu verbreiten als in einem kurzen Tweed. Aber es ist möglich. Besonders mit der Möglichkeit auch noch einen anschaulichen Link anzuhängen.
3. September 2009
Es ist unbestritten, dass es bei Twitter eine große Anzahl an Tweets gibt der Marke “Wen interessiert das?”. Gibt man sich weiterhin der Illusion hin alle Tweets von Personen den man folgt lesen zu wollen, so reichen dafür sicherlich 24 Stunden am Tag nicht aus.
Mit der Zeit bekommt man aber ein Gespür dafür welche Infos interessant sind und welche nicht. Nach dem 2. Link, der einem zeigt wie man “100e Follower pro Tag generieren kann” klickt man auf solche Tipps sicherlich nicht mehr.
Die Frage ist also eigentlich nur, was man mit Twitter erreichen will. Ich sehe es Ergänzung zu weiteren Social Networks welches immer größeres Interesse findet.
3. September 2009
wahrscheinlich ist es wie mit Allem- für den richtigen Zweck gekonnt eingesetzt sehr effektiv, aber genauso völlig ungeeignet am falschen Platz! Auch eine Modeerscheinung, weil es alle machen, wird sich wieder einpendeln; nach fastfood besser slowfood; obwohl; es ist im Trend, auch z.B. in Kameraführung,Bildschnitt,Sendungszuschnitt, dass wir alles häppchenweise und in Kurzform serviert bekommen. Gibts was Neues,machen erstmal alle mit, bis einige merken,dass es doch nicht so toll ist~ neu ist nicht immer auch gut, jedenfalls nicht in jedem Fall. Vielen Dank für den interessanten Beitrag!
3. September 2009
Twitter und Blog schließen sich nicht aus, sondern können sich gut ergänzen. Über einen Tweet wird man neugierig auf mehr, geht zum Blog, liest dort noch andere Beiträge, kommentiert vielleicht im Blog direkt oder informiert bei Twitter über den interessanten Blog-Artikel.
Auch im Leben außerhalb des Internets gibt es nicht nur lange und gehaltvolle Diskussionen, sondern auch Informationen, die sich man sich einfach mal eben zuruft.
Wenn die Hauptaussagen allerdings darin bestehen, was man zum Frühstück gegessen hat, dass man jetzt einen Kaffee trinkt oder Feierabend macht, ist man sowohl außerhalb des Internets wie auch im Netz nicht sehr interessant. Umgekehrt wird man solchen Menschen weder innerhalb noch außerhalb des Netzes allzuviel Aufmerksamkeit schenken.
Von daher lässt sich der Wert von Twitter nicht verallgemeinern. Es kommt darauf an, was man daraus macht.
1. Juni 2010
Für uns ist Twitter einer der vielen Marketing-Kanäle. Wie beim Orchester macht der Mix zum Schluß die Musik. Natürlich ist es schwer in 140 Zeichen eine interessante Message zu verpacken.
Unsere Welt verändert sich sehr rasant. Vor 20 Jahren hat auch niemand gedacht, daß Unternehmen wie Amazon oder Ebay einmal global so viel Ware verkaufen daß Unternehmen wie Quelle einfach vom Markt gefegt werden. Also warum darüber lamentieren was Twitter macht. Bleiben wir der Zukunft gegenüber offen und experimentieren mit neuen Kommunikationswegen!
Hinterlasse einen Kommentar