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Souverän die Reputation verteidigt – Best Practice einer Politikerin

Louise Mensch

Louise Mensch

Was tun, wenn Journalisten eine Drogenvergangenheit mit Promibeteiligung und peinlichen Details ausgraben? Eine englische Politikerin trat die Flucht nach vorn an – und punktete mit Humor. Wie ging die Sache für sie aus?

Die Tory-Politikerin Louise Mensch ist Mitglied der Kommission, die kürzlich den Phonehacking-Skandal untersuchte. Sie befragte persönlich James und Rupert Murdoch sowie Rebekkah Brooks. Drei Tage später erhielt sie eine Journalistenanfrage mit Bitte um Stellungnahme: Sie habe gemeinsam mit Nigel Kennedy (dem Vivaldi-Stargeiger) in den Neunzigern im Birminghamer Ronnie Scott’s Club Drogen genommen und mit Kennedy betrunken vor Journalisten auf dem Tisch getanzt.

Zu der Zeit war Mensch in der Öffentlichkeitsarbeit für das Schallplattenunternehmen EMI tätig. Welche Möglichkeiten hatte sie jetzt?

1. Zugeben, dran gezogen, aber nicht inhaliert zu haben?
2. Ein Ehrenwort geben?
3. Eine gute Begründung/Ausrede finden?

Ihre Antwort kann als Best Practice Model angesehen werden. Sie war kurz, originell, nahm den Anschuldigern den Wind aus den Segeln und strotzte vor Humor:

“Obwohl ich mich an jene spezielle Begebenheit nicht erinnere, klingt dies höchst wahrscheinlich. Ich habe sehr gern für Herrn Kennedy gearbeitet und erinnere mich an ihn mit großer Zuneigung. Da ich zudem in meinen Zwanzigern war, bin ich sicher, dass dies nicht die einzige Begebenheit dieser Art gewesen ist. Wir alle tun idiotische Dinge, wenn wir jung sind.“

Zudem hatte man ihr vorgeworfen, einige Kapitel ihres ersten Buches – Mensch ist auch Schriftstellerin – auf ihrem EMI-Computer geschrieben zu haben und dafür gekündigt worden zu sein. Sie gab die Schreiberei ebenfalls zu – allerdings sei dies nach Feierabend geschehen. Dabei hätte sie es bewenden lassen können. Erheblich glaubhafter wurde die Erklärung jedoch durch ihren Nachsatz: Der Roman sei übrigens nicht der Grund gewesen, warum sie von der EMI gefeuert worden wäre. Die Gründe hierfür waren „verlässt den Arbeitsplatz zu früh“, „lässt gelegentlich einen Arbeitstag aus“ sowie „unangebrachte Kleidung“. Das saß.

Der komplette E-Mail-Schriftwechsel wurde von Louise Menschs Büro am Freitagnachmittag veröffentlicht: Rechtzeitig vor der Deadline für die wichtigen Sonntagszeitungen.

Via Twitter gab sie freimütig zu, eine PR-Agentur konsultiert zu haben. Sie ist gut beraten worden. Die Story sorgte für einen kurzen Lacher in allen Medien. Hängen blieb ihr Statement: „Ich lasse mich dadurch nicht abschrecken, weiterhin zielstrebig zu fragen, wie weit die Phonehacking- und Lügenkultur in der Londoner Medienszene gegangen ist.“

Ihrer Reputation hat auch das Statement von Nigel Kennedy zum selben Thema mehr genützt als geschadet.

„Ich selbst bin ja Sozialist, aber ich erinnere mich an tolle Zeiten mit meiner schönen und sehr cleveren konservativen Freundin, als sie bei EMI arbeitete. Louise ist ziemlich beängstigend und ich kann nur jeden warnen: Es ist keine gute Idee, sich mit ihr anzulegen.“

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hat diesen Beitrag am Dienstag, 20. September 2011, in der Kategorie Zeitgeschehen veröffentlicht und unter den Stichworten , , , abgelegt
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