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Rezension: Die Online-Redaktion

Der Titel der Neuerscheinung "Die Online-Redaktion – Praxisbuch für den Internetjournalismus" ist ebenso vielversprechend wie der Klappentext. Wird hier doch eine “Betriebsanleitung für medienübergreifenden Journalismus” versprochen.
Nun lösen die Begriffe “Praxisbuch” und “Betriebsanleitung” eine gewisse Erwartungshaltung bei mir aus: klare Sprache, Übersichtlichkeit, Themenbezogenheit, schnell erfassbarer Inhalt, Relevanz, Neuigkeiten. Doch schon auf den ersten Seiten wird deutlich, dass es sich offensichtlich eher um eine Mischung aus Selbstdarstellung, eigener Meinung, fragwürdigen Deutungen und wenigen – leider zudem wenig neuartigen – Praxistipps für das Texten, bzw. Kommunizieren im Web handelt.

Wenn Sie Kapitelüberschriften, wie “Vorspeise”, “Wurst”, “Knäckebrot” und “Pfefferoni” originell oder gar lustig finden, kann ich Ihnen das Buch wärmstens empfehlen, denn es erwarten Sie Seite für Seite ungewöhnliche Formulierungen (um nicht zu sagen: krampfhaft auf jugendlich und locker getrimmte Sprache) und viele persönliche Wertungen und Lebensweisheiten der Autoren. Eine Kostprobe: “Anstrengung um ihrer selbst willen ist außerhalb von ultrareligiösem Fanatismus ein seltenes Phänomen (der Spitzensport hat sich insofern längst zwischen Fundi-Islam und konservativem Christentum eingereiht).”

Alle anderen dürften kaum über das Vorwort und die Einleitung hinaus kommen. In letzterer beschreiben die Autoren die Geschichte und Entwicklung des Web. Allerdings tatsächlich mit Sätzen wie: “Die Lösung hieß Internet und bedeutete vor allem eines: Freie Bomben für eine freie Welt.” Oder: "Web 2.0: Der Punschkrapfen der New Economy ist erfunden. Die verbliebenen Reste sämtlicher Trends landen im Tortenwolf und glänzen im Web, Version 2.0, im neuen Licht.” Es bleibt ein Rätsel, ob das zum Lachen oder Fremdschämen gedacht ist.

Soll das etwa die Sprache sein, die Leser mitreißt? Sieht so gelungene Kommunikation aus? Gilt “klar und verständlich” nur für die Onlinekommunikation?
Ich muss zugeben, dass ich das gesamte Buch einfach nicht lesen konnte. Daher kann es möglich sein, dass sich hier und da tatsächlich interessante und relevante Informationen verbergen. Ein Buch, das sich nach eigenen Aussagen an Journalisten, Entscheidungsträger in der Unternehmenskommunikation, Internetagenturen und Content Manager richtet, ist mit solch einer Sprache und Argumentation jedoch meiner Meinung nach unglaubwürdig und kaum ernst zu nehmen.

“Der Onlinejournalismus ist kein einfaches Ding”. Bücherschreiben offenbar auch nicht.

Das Buch ist für 34,95 Euro versandkostenfrei über Amazon oder im stationären Buchhandel erhältlich.

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hat diesen Beitrag am Donnerstag, 26. November 2009, in der Kategorie Rezensionen veröffentlicht und unter den Stichworten , , abgelegt
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1 Kommentar to 'Rezension: Die Online-Redaktion'

Simon, Werbeagentur 4c
30. November 2009

Danke für die Rezension, da weiss ich was ich den Kunden nicht empfehlen werde…

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