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PR-Coups der Geschichte: Die Kartoffel

Antoine Augustin Parmentier (1737-1813) landete einen der erfolgreichsten PR-Coups der Geschichte: Er entwickelte eine Kampagne zur Einführung der Kartoffel als gesundes Nahrungsmittel und zur Bekämpfung der Hungersnöte in seinem Heimatland Frankreich.

Parmentier geriet im Siebenjährigen Krieg in preußische Kriegsgefangenschaft und lernte dort die Kartoffel kennen. Preußenkönig Friedrich der Große versorgte seine Armee und Kriegsgefangenen mit der Knollenfrucht, die bis dato im Volk als ungesund galt. Täglich wurden Kartoffeln serviert, doch niemand wurde krank. Parmentier bemerkte, dass diese einseitige Diät ihm gesundheitlich gut bekam. 1756 befahl der Alte Fritz schließlich den Kartoffelanbau im ganzen Land. Die Kartoffel wurde als Nahrungsmittel immer beliebter. Lediglich die preußische Aristokratie verschmähte den Erdapfel, schließlich war er das Grundnahrungsmittel des gemeinen Volkes geworden.

Seine Erfahrungen brachte Parmentier nach Frankreich mit. Er wurde Apotheker und schrieb 1769 zur Zeit einer Hungersnot eine Abhandlung über die Kartoffel – das Gemüse, das das Brot ersetzen könnte. Diese Schrift wurde von der Académie française ausgezeichnet und erhielt die Aufmerksamkeit von gesellschaftlich wichtigen Persönlichkeiten. Das französische Volk konnte dadurch allerdings nicht umgestimmt werden, auf die Kartoffel als Grundnahrungsmittel zu setzen.

Deshalb entwickelte Parmentier eine Kampagne für den Siegeszug der Kartoffel. Zunächst erlangte er die Gunst des Hofes. Louis XVI und seine Gattin Marie Antoinette trugen die Blüte der Kartoffel im Knopfloch bzw. ein kleines Bouquet am Kleid. Dieser violette Blütentrend verbreitete sich unter den Adeligen rasch.

Schließlich organisierte Parmentier Dinnerpartys in der höheren Gesellschaft –  alle Gänge waren Gerichte aus der Kartoffel, von der Vorspeise bis zum Nachtisch. So hatte er die Bourgeoisie bereits für die Kartoffel gewonnen, anders als in Preußen. Es fehlte in Frankreich noch, das Proletariat für den Erdapfel zu begeistern. Ein Trick, den er womöglich schon in preußischer Gefangenschaft vom Alten Fritz kennengelernt hatte, sollte ihm helfen.

In der Nähe von Paris erhielt Parmentier vom König Ackerlandflächen, auf denen er Kartoffeln anbauen ließ. Die Ernte ließ er tagsüber von Soldaten bewachen, nachts schickte er sie heim. Kalkül, denn nachts sollte die Bevölkerung das kostbare Gemüse stehlen und zu Hause heimlich anbauen und ernten.

Parmentiers Plan war aufgegangen. Die Kartoffelzucht verbreitete sich in Frankreich wie heutzutage ein virales Video über Youtube. Besser kann eine PR-Kampagne nicht laufen – die Kartoffel wurde zum Revolutionsessen.

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hat diesen Beitrag am Donnerstag, 5. April 2012, in der Kategorie PR-History, Wissenswertes veröffentlicht und unter den Stichworten , , abgelegt
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