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Politiker, Twitter und die Medien

„Life is Tweet“ kalauert der ehemalige stellvertretende Primeminister Großbritanniens John Prescott. Er twittert seit 2009, hat das Medium voll für sich erschlossen und meint: „Wo früher Pressebarone von Politikern und PR-lern umworben wurden, hat die Bevölkerung nun ihr eigenes Medium geschaffen. Es kostet nichts und ist schneller als die Mainstream-Medien.“ Laut Prescott wurde die Macht der Medien an Twitter gebrochen. Seine Praxisbeispiele belegen eindrücklich warum.

Die Gesamtsumme der verkauften Tageszeitungen wurde gerade von der Zahl der UK-Twitterer überholt. Laut Lord Prescott ein Wendepunkt für die UK Medien. Seine Erfahrungen:

 „1996 ging ich mit Pauline aus. Ein Fotograf machte ein Bild von uns am Tisch. Am nächsten Tag brachte der London Evening Standard ein Bild mit der Unterschrift “Champagner Sozialist”. Es gab keine Champagnerflasche an unserem Tisch. Die Zeitung hatte das Bild so beschnitten, dass eine Flasche Becks aussah wie eine Flasche Moët. Eine weitere Bierflasche war komplett aus dem Bild retuschiert worden. Ich beschwerte mich und erhielt tagelang keine Antwort. Also erließ ich ein Statement, welches der Independent publizierte und letztendlich, nach Wochen, erhielt ich eine Entschuldigung vom Standard.

 Im Juni 2011 berichtete die Sunday Times fälschlicherweise, ich hätte Freunden gesagt, der neue Parteiführer habe „keinen guten Start“ hingelegt. Die Headline las sich „Labour-Untier zerfleischt Ed Miliband“. Ich twitterte: “Ich sehe in der Sunday Times ein Zitat, das angeblich von mir stammen soll. Ist komplett erfunden, eine totale Lüge.“

Innerhalb einer Stunde antwortete die Zeitung “Aufgrund eines Produktionsfehlers ist ein Zitat irrtümlich @johnprescott zugeschrieben worden. Wir entschuldigen uns für das Durcheinander & freuen uns das klarzustellen.”

Beide Geschichten illustrieren wie dramatisch sich die Macht der Medien verschoben hat. Twitter ist ein wichtiges und rasantes Korrektiv unserer Zeitungen geworden – eine Rolle die die die Press Complaints Commission (der engl. Presserat) schlecht erfüllt hat – und macht die Pressebarone rechenschaftspflichtig gegenüber der Bevölkerung.

Twitter ist UNSER Medium, die Öffentlichkeit sind die neuen Redakteure und die Twitter Trend-Liste ist die neue Themenfolge. (…) So for me, life is tweet.”

John Prescott hat 138.507 Follower. Er liest sich unterhaltsam, kreiert permanent neue Meme und #Hashtags, interagiert aktiv mit einer großen Followerzahl und ist sich nicht zu schade, ständig auch die Beiträge Dritter zu retweeten. Prescott lebt auf Twitter und zwar sehr erfolgreich. Die deutsche Politik hat hier noch Nachholbedarf und kann sich von ihm eine Scheibe abschneiden.

Regierungssprecher Steffen Seibert macht es vor, er hat aktuell 63.798 Follower. Marina Weisband von den Online-affinen Piraten folgen 31.992. Peter Altmaier hat 18.210, Sabine Leutheuser-Schnarrenberger 7.707 Leser, Thomas Oppermann knapp Viertausend, Reinhard Bütikofer 10.231 Follower.

Twitter ist in der Kommunikation nicht zu unterschätzen.

Vollständiger Artikel Life is tweet

Lord Prescott auf Twitter: @johnprescott

 

 

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hat diesen Beitrag am Dienstag, 19. Juni 2012, in der Kategorie Wissenswertes, Zeitgeschehen veröffentlicht und unter den Stichworten , , , , abgelegt
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3 Kommentare to 'Politiker, Twitter und die Medien'

Anja Floetenmeyer
21. Juni 2012

Passend zum Beitrag:

Im UK ist es inzwischen völlig normal anstelle einer Pressemitteilung Tweets zu veröffentlichen
http://www.guardian.co.uk/culture/2012/jun/21/jimmy-carr-apologises-error-tax

Bastian
22. Juni 2012

Hi Anja, es ist ja nicht unbekannt, das Twitter eine gewisse Macht in den Medien genießt. Wenn man sich mal die Statistiken anschaut, wie schnell sich dort bestimmte Nachrichten verbreiten, wird einem schlecht. Es ist schon beeindruckend.

Peter Stranz
29. November 2013

John Prescott hat die Möglichkeit ergriffen, auf seine eigene Meinung und nicht die der Medien aufmerksam zu machen. Also hat er praktisch den Spieß umgedreht und da unter den Perönlichkeiten in der Politik nicht der einzige bleiben wird, der das macht, wird sich noch einiges ändern.

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