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Erfolgsfaktoren einer Kampagnenseite

Der englische Wahlkampf war Schauplatz einer erfolgreichen Politik-Kampagnenseite. mydavidcameron.com bündelte verhunzte Wahlplakate der Tories. Eines der Plakate war Ausgangspunkt für Hohn und Spott: Cameron hatte sich stromlinienförmig photoshoppen lassen. Zunächst kursierten klassisch mit Spraydose im öffentlichen Raum verunzierte Motive online. Dann wurden digital verfremdete online herumgereicht, später konnte man sich auf mydavidcameron.com sogar mittels eines bereitgestellten Templates sein eigenes Hohn-Plakat gestalten.

Die Macher – dahinter steckte ein Kreativer Kopf einer Werbeagentur mit Meinung aber ohne Parteizugehörigkeit – ziehen ein Resümee aus ihrer Aktion. Sie haben fünf Lehren zusammengestellt, die für die Ausgestaltung zukünftiger Webseiten und Kampagnen interessant sind:

Binnen kürzester Zeit wurden die Plakate im Internet populär, Zeitungen druckten Beispiele, die Webseite verzeichnete Hunderttausende Seitenbesucher. Das Geheimnis des Erfolges war jedoch nicht allein die Komik.

1.Konzept ist alles

Die gute Idee ist wichtiger als ihre technische Umsetzung. Viel zu leicht verzettelt man sich in dollen Widgets, Facebook- und Twitter-Anbindungen und vergisst darüber, dass die Basis einer viralen Idee witzig, nützlich oder faszinierend sein muss. Die mydavidcameron.com-Seite ist technisch simpel: Eine statische Seite mit vielen Bildern. Zunächst war noch kein Do-it-yourself-Template im Angebot – die User mussten selbst über ein Grafikprogramm verfügen um ein Motiv gestalten und einsenden zu können. Bildgenerator und Voting-System folgten erst später.

2.Twitter ist wichtig
Es ist richtig, dass Twitter nur eine sehr kleine Zahl des eigentlich breiten Publikums abbildet. Dies macht Twitter jedoch nicht weniger wichtig, da Twitterer das Tor zur Masse bilden. Die Seite wurde ursprünglich allein über einen bestehenden Twitteraccount mit lediglich 400 Followern getwittert. Diese Zahl wurde jedoch sehr schnell von Facebook übertroffen und schnell wurde Facebook von direct visits getoppt. Die Twitterer hatten also die Nachricht an Facebook-Mitglieder verbreitet, anschließend hatten beide Nutzergruppen die News per guter alter E-Mail weiterverbreitet. Dieses Schema war reproduzierbar: Wann immer neue Plakate bekanntgegeben wurden, erfolgte die Verbreitung nach genau diesem Muster. “It’s essentially what enabled us to contest a £500,000 Tory advertising campaign at zero cost.”, so das Fazit.

3.Crowdsourcing ist gut

Die Mitbeteiligung und das Einbinden von Usern erwiesen sich als hilfreich. Das hauptsächliche Tool war wieder Twitter. Das DIY-Plakat zum Selbermachen animierte Menschen zum Mitmachen. In kurzer Zeit schickten Leute sich ihre Eigenkreationen über Facebook, Twitter und E-Mail zu, luden sie bei Twitpic und flickr hoch und jedes Mal, wenn auf mydavidcameron ein neues Plakat zu sehen war, informierte der Macher online alle seine  Freunde selbst. Als dann LabourList zum ersten Mal ein neues Plakat annoncierte, brach die Seite unter zuviel Traffic zusammen. Nutzer boten sofort Hilfe und Bandbreite an und wurden zu Unterstützern.

 

4.Crowdsourcing ist schlecht

Userbeteilgung kann auch nach hinten losgehen. Die Seitenbetreiber wurden mit Hunderten von Bildern bombardiert. Die wenigsten davon enthielten das, wonach gefragt war: Clevere Satire über die Haushaltsdefizit-Sparpläne der konservativen Partei. Was kam, waren zahllose Motive mit Cameron, der unlustige oder unaussprechliche Dinge sagt. Manche waren witzig, die meisten jedoch nicht. Der Plan, alle hochzuladen musste begraben werden. Stattdessen wurden ausgesuchte Motive online gestellt. Für die Qualität der Seite war dies entscheidend.

5.Politische Satire ist ein schwieriges Thema
Cameron als “Toff” hinzustellen – also als Schnösel der Oberschicht – war zu kurz gegriffen. Ihm einen charakteristischen Zylinder aufzusetzen, ging am eigentlichen Thema vorbei: Daran, dass sich im Tory-Schattenkabinett 17 weitere Millionäre befanden, Mittelschicht und Arbeiterklasse unterrepräsentiert waren. Zudem war die Balance zu wahren. Um hochgeistige Politsatire auszubalancieren, waren auch einfach ausschließlich lustige, unpolitische Plakate in der Gesamtauswahl – wie das Little Boots Motiv
.

Die Kluft

Im Laufe der Kampagne stellte sich heraus, dass zwischen der Satire auf mydavidcameron und Seiten mit politisch interessiertem Publikum eine Lücke klafft. Die Seitenbetreiber hätten ihren Publikumsstrom gern auf weiterführende Seiten weiterverlinkt, die einem mainstream-Publikum gerecht werden. Es stellte sich als schwierig heraus, welche zu finden.

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hat diesen Beitrag am Freitag, 2. Juli 2010, in der Kategorie Wissenswertes veröffentlicht und unter den Stichworten , , , , abgelegt
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