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Das Merkel-LeFloid-Interview: Was wir für die PR gelernt haben

Vor einigen Wochen fragte das Kanzleramt bei dem YouTuber LeFloid an, ob er an einem Interview mit Angela Merkel interessiert sei. LeFloid sagte zu und rief unter dem Hashtag #NetzFragtMerkel seine Community auf, Fragen an die Kanzlerin zu formulieren, die sie beschäftigt. Die Fragen der Generation YouTube stellte er anschließend in einem 30-minütigem Interview der Bundeskanzlerin. Das Interview erzeugte bereits im Vorfeld ein enormes Medieninteresse. Das Hauptthema: Wie führt ein unerfahrener YouTuber ein Interview mit der Kanzlerin? Im Nachgang kritisierten Journalisten seinen unprofessionellen Stil, doch als PR’ler kann man trotzdem einiges vom YouTuber lernen:

Erkenntnisse aus kommunikativer Sicht

LeFloid hat in seinem Interview bewiesen, dass sich die Generation YouTube – zu der auch ich mich zähle – sich nicht nur für Beauty, Fashion und Games interessiert. Wir setzen uns auch mit politischen und gesellschaftlichen Themen auseinander. Doch dazu müssen wir sie verstehen, denn oft stellen Politik und Wirtschaft eine fremde Welt für uns da: Was in Berlin und rund um den Globus passiert, ist zu weit weg, betrifft uns scheinbar nicht oder ist zu unübersichtlich aufbereitet. Das soll nicht heißen, dass uns ernste Themen in der Gesellschaft gleichgültig sind. LeFloid interviewte die Kanzlerin ausschließlich zu politischen und gesellschaftlichen Themen wie der Homo-Ehe und Russlands zukünftiger Stellung in der EU. Fragen zu ihrem Lieblings-Online-Game oder ihrer täglichen Make-up-Routine standen natürlich nicht auf dem Plan.

Meinungsbildung auf YouTube

Mit seinem Interview schaffte LeFloid es, die angesprochenen politischen Themen für uns greifbarer zu machen, sodass auch wir uns eine Meinung bilden können. Meinungsbildung ist in dem Zusammenhang sehr wichtig, denn: YouTuber sind die Meinungsbildner unserer Generation. Sie bringen Licht in das Dunkel von „Politik-Wirr-Warr“ und „Wirtschaft-Krams“. Sie helfen zu verstehen, zu vermitteln und prägen unsere Meinungen.

YouTubes Potential nutzen

Die PR-Abteilung der Kanzlerin erkannte das Potenzial von YouTube und beschloss diesen Social-Media-Kanal zu nutzen. Zum einen schafft die Bundeskanzlerin Nahbarkeit, indem sie auf dem Kanal einer der beliebtesten YouTuber Deutschlands erscheint. Merkel zeigt, dass sie den Dialog zur Generation YouTube sucht und öffnet sich diesem Social-Media-Kanal. Sie beginnt YouTuber als Meinungsbildner ernst zu nehmen. Dabei nutzt sie die enorme Reichweite von YouTube: 1,5 Millionen Deutsche sahen im Durchschnitt ein Interview der ARD mit Merkel – 3,5 Millionen Klicks verzeichnet das Interview des YouTubers LeFloid aktuell.

Anhand dieser Quoten lässt sich die enorme Bedeutung für die Präsenz von Unternehmen in Social-Media-Kanälen und die PR-Arbeit messen. Um auch die jüngere Generation zu erreichen, sollten Unternehmen folgendes beachten:

Zielgruppen differenziert ansprechen

Nicht alle Zielgruppen sind über die gleichen Inhalte und Medien zu erreichen. Es ist wichtig, sich Gedanken darüber zu machen, wen Sie mit Ihren Inhalten erreichen möchten, denn nicht jeder Social-Media-Kanal ist gleichermaßen für Ihre Zielgruppe interessant. Unternehmen können Zielgruppen differenziert ansprechen, indem sie eine eigene Content- und Social-Media-Strategie entwickeln. PR-Arbeit für die Generation YouTube ist mit der Präsenz auf Facebook nicht abgedeckt. Unternehmen, die den Dialog zu unserer Generation suchen, müssen sich intensiver mit Social-Media-Kanälen befassen, denn Facebook verliert an Attraktivität. Die neuen Trends sind Instagram, Snapchat und YouTube. Dort sind wir zu finden.

Online-Monitoring durchführen

Meinungsbildung findet mittlerweile vor allem im Netz statt. Wenn Sie wissen möchten, was zu Ihrem Unternehmen im Internet erscheint, sollten Sie Online-Monitoring durchführen. Dies ermöglicht Ihnen, die Meinungsbildung und wichtige Diskussionen zu Ihrem Unternehmen zu verfolgen. Benutzen Sie ein Online-Monitoring-Tool, mit dem sich Social-Media-Kanäle beobachten lassen, wie beispielsweise uberMetrics. Dies ermöglicht es Ihnen immer auf dem aktuellsten Stand zu sein und den Überblick zu behalten.

Blogger als Botschafter gewinnen

Auch Blogger genießen bei der Generation YouTube ein hohes Ansehen und hohe Glaubwürdigkeit. Um die Generation YouTube mit Ihren Inhalten vertraut zu machen, sollten Sie Blogger als Botschafter gewinnen. Dabei geht es nicht darum, günstig Werbung für Ihr Unternehmen zu machen, sondern Ihrer Zielgruppe Ihre Inhalte zugänglich zu machen. Wenn Ihre Leistungen für die Generation YouTube interessant sein könnten, sollten Blogger-Relations ein fester Bestanteil Ihrer Social-Media-Strategie sein.

Dialog zur Zielgruppe suchen

Social-Media ist vor allem Dialog. Deshalb ist es wichtig, dass Sie Ihre PR-Arbeit in Social-Media-Kanälen größtenteils zum Dialog und nicht für Werbung nutzen, denn Follower sollen das Gefühl bekommen, an Ihrer Marke teilzuhaben. Bei der Facebook-PR gilt die 80-20-Regel: 80 Prozent der Inhalte richten sich an die Community – 20 Prozent der Inhalte sind Informationen zu Ihrem Unternehmen.

Fazit

Für die PR-Arbeit in Unternehmen haben wir aus dem Merkel-LeFloid-Interview vor allem eins gelernt: Unternehmen müssen den Dialog zur Generation YouTube suchen. Die Digital Natives werden schon 2017 in der Überzahl sein. Wenn Sie Ihre Content- und Social-Media-Strategie nicht anpassen, verlieren Sie eine stetig wachsende Zielgruppe. Meinungsbildung findet immer mehr in Social Media statt, deshalb: Gehen Sie online und nutzen Sie dieses Potential!

Autorin: Jessica Guntermann

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hat diesen Beitrag am Mittwoch, 5. August 2015, in der Kategorie Aufgeschnappt, Wissenswertes, Zeitgeschehen veröffentlicht und unter den Stichworten , , , , , , , abgelegt
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