Wer die Sprache liebt, wird sich an sprachlichen Ambivalenzen in besonderer Weise erfreuen können. Eins meiner liebsten, weil schillerndsten Beispiele für Zwei- oder Mehrdeutigkeit entstammt der Welt der Polizei: „Du kannst einsteigen!“ So lautete vor einigen Jahren das Motto einer polizeilichen Ausbildungsoffensive, das vornehmlich als Schriftzug an Polizeifahrzeugen prangte. Nie war man sich so ganz sicher, ob dies als Einladung gemeint war oder als Drohung. Und angesichts der damals üblichen grün-khakifarbenen Uniform, die niemandem wirklich gut stand, konnte letztlich selbst der Eintritt in den Polizeidienst nicht für allzu viel Frohsinn sorgen. Zum Glück hat sich hier ja schon einiges geändert… Mittlerweile gibt es sogar eine Polizei 2.0.
Dass, wer Visionen habe, zum Arzt gehen solle, ist ein vielzitierter Ausspruch, der dem Ex-Bundeskanzler und SPD-Politiker Helmut Schmidt zugeschrieben wird. Ich hingegen kann mich durchaus freuen, wenn Menschen einen Traum haben und sich ihren Anspruch auf ein anderes, besseres Leben nicht streitig machen lassen. Dies tat ich auch, als jüngst im Fernsehen ein Beitrag über grübelnde Jugendliche angekündigt wurde. Nur beiläufig aufgeschnappt, war ich zunächst recht angetan von der Nachricht, bis sich sehr schnell herausstellte, dass ich dem Phänomen des „Verhörens“ aufgesessen war, von dem ich bereits berichtete. Denn Gegenstand des Beitrags sollten gar nicht grübelnde Jugendliche sein, sondern prügelnde.
Heute, zwei Tage nach der OMD (deutsche Leitmesse für Online-Marketing), erreicht mich eine Einladung der Frauen-Spiele-Community Zylom. Darin heißt es "freuen Sie sich auch schon auf die OMD in Düsseldorf?". Aber ja doch, und zwar auf die im nächsten Jahr. Da fragt man sich, wie so etwas passieren kann. Zylom gehört immerhin zur RealNetworks Inc. und ist kein kleiner Fisch. Quer durch ganz Europa werden nach eigenen Angaben monatlich 12 Millionen Nutzer erreicht, davon 4 Millionen in Deutschland. Die beruhigende Botschaft: Alle kochen nur mit Wasser und Fehler machen auch die Großen. Was können wir als Beobachter aus dieser Panne lernen? Messeeinladungen sollte man einige Wochen vor der Messe verschicken - und sollte es einmal knapp werden, dann muss man die Postlaufzeiten im Auge behalten. Im Fall von Zylom ist es offenbar so, dass die Briefe von den Niederlanden aus verschickt wurden, was offensichtlich zu einer Postlaufzeit von 6-7 Tagen (mit einem Wochenende dazwischen) geführt hat. Hätte man diesen Versand die deutsche Niederlassung machen lassen, wären die Einladungen zumindest noch einen Tag vor der Messe eingetroffen. Besser noch wäre es aber gewesen, wenn man angesichts der knappen Zeit kurzerhand eine Einladung per E-Mail verschickt hätte. Diese E-Mails hätten ihre Adressaten dann noch am Freitag, komfortable fünf Tage vor der OMD erreicht. Fazit: Eine gründliche Messeplanung mit vernünftigen Vorlaufzeiten lohnt sich!
Sicherlich ist jedem das Phänomen des „Verhörens“ bekannt, dass sich gesungene Liedtexte und gesprochene Worte – vielleicht auch nur beiläufig aufgeschnappt – in der Wahrnehmung anders zusammensetzen können. So hörte ich vor vielen Jahren einmal eine Radiowerbung folgenden Inhalts. Eine Frau fragt ihren Mann: „Klaus, wohin gehst du?“ Dieser antwortet jovial: „Schatz, ich geh’ zum Sarg-Händler.“ Trotz aller Debatten um das „sozialverträgliche Frühableben“ war es zunächst eine komische Vorstellung, dass jemand sich in der Blüte seines Lebens freudestrahlend zum Sarg-Händler begibt, um sich ein schönes Erdmöbel auszusuchen. Wie sich bald herausstellen sollte, war jedoch gar nicht der Sarg-Händler gemeint, sondern der Saab-Händler.
Als ich einer mir bekannten passionierten Saab-Fahrerin von diesem „Verhörer“ erzählte, musste sie lachen. Sie berichtete von der Heimtücke eines ihrer früheren Saab-Fahrzeuge – wie während einer Autobahn-Fahrt der Motor plötzlich zu qualmen anfing und, zum Stehen gebracht, sogar Flammen aus der geöffneten Motorhaube schlugen. „Ja“, sagte sie, „Sarg – da ist schon was dran.“
Nichtsdestotrotz handelt es sich um eigenwillige, schöne Autos. Einen Saab-Blog gibt es übrigens hier.
Es gibt Menschen, die verschwinden aus dem öffentlichen Bewusstsein, wenn sie von der Bühne, von der aus sie einst agierten, abtreten. Gerhard Schröder ist hierfür ein gutes Beispiel. Wenn dieser zu sehr seltenen Gelegenheiten quasi aus dem Nichts auftaucht, ist es immer wie ein Spuk. Und zwar kein böser, sondern ein gegenstandsloser, leerer: Gibt er ein Statement ab, weiß man sofort danach schon nicht mehr, was er gesagt hat.
Ganz anders Heiner Geißler – ein Politiker, der mir wegen seiner Kantigkeit schon immer äußerst sympathisch gewesen ist. Ich erinnere mich, wie er Anfang der 80er Jahre, als allerorten gehäkelt und gestrickt wurde und die Deutschen sich einmütig als das friedvollste Volk der Welt gebärdeten, mit der Wahrheit herausplatzte, dass der Pazifismus Auschwitz erst möglich gemacht habe. Das schlug damals ein wie eine Bombe.
Es ist jene Unkorrumpierbarkeit, mit der er in „lebendiger“ Erinnerung bleibt. Unkorrumpierbar durch Ämter und die „Volksmeinung“, unkorrumpierbar durch Medienmacht und das politisch Gewollte. Ich war nicht erstaunt zu lesen, dass er sich heute als Globalisierungskritiker engagiert und unlängst der Organisation ATTAC beigetreten ist. Kritisch gewürdigt wird dies ebenso bei jetzt.de und 24stunden.de.
|
|
Jüngste Kommentare
Do, 29.07.2010 11:04
Open PR ist zweifelsfrei sehr gut. Problem ist in letzter Zeit jedoch, dass die Recherchefunktion innerhalb des [...]
Di, 27.07.2010 10:07
Hallo Moritz, vielen Dank für dein begeistertes Kommentar - und es freut uns natürlich auch, wenn du auf unseren [...]
Di, 27.07.2010 09:58
Hallo Daniela, vielen Dank für Deinen Artikel. Ich habe gerade dreißig Minuten im Selbstversuch auf Youtube [...]