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Bahn vs. Blogger

Fingerspitzengefühl erwünscht
Pixelio.de/geralt

Netzpolitik.org meldet gerade, dass die Bahn auf weitere Konsequenzen gegen die Veröffentlichung des beanstandeten Protokolls verzichtet. Das war abzusehen. Aus PR-Sicht war übrigens von Beginn an unerheblich, ob die Deutsche Bahn AG juristisch im Recht war oder nicht. Hier war nichts zu gewinnen. Im Falle der Bahn haben wohl Juristen entschieden ihre Abmahnung zu versenden, ohne dass die Leitung der Öffentlichkeitsarbeit unterrichtet war ("Pressesprecher wusste von nichts").

Klar ist: Öffentlichkeitsarbeit und Rechtsabteilung eines Unternehmens müssen miteinander reden, wenn solcher Schaden ausgeschlossen werden soll. "Litigation PR"  nennt sich dieses Gebiet der Rechtskommunikation.


Wer hat noch nicht mindestens ein Mal gehört, dass Unternehmen A gegen Unternehmen B eine "Millionenklage erhoben" hat? Dass das nichts über Unternehmen B aussagt, wissen die wenigsten. Ein Fachmann der Litigation-PR hat einmal ausgerechnet: Eine Millionenklage einreichen (und wieder zurückziehen) kostet rund Vier- bis Fünftausend Euro, das Presseecho dürfte inklusive sein.

Recht haben und Recht bekommen sind bekanntermaßen zwei Paar Schuh.

Vielen Juristen ist eine wichtige Sache nicht klar: Man kann vor Gericht gewinnen und trotzdem in der öffentlichen Wahrnehmung verlieren. Können nicht beide Aspekte gewinnen, ist abzuwägen ob das juristische Problem den Imageverlust überhaupt rechtfertigt.

Wie wir gerade gesehen haben, ist die neue Form der Schwarm- und Netzkommunikation via Twitter, Blogs und Blogkommentaren schneller als die altbekannten Kommunikationspfade. Mein Blogbeitrag "Anfänger in Online-PR: Bahn geht mit Blogger auf Kollisionskurs" wurde innerhalb weniger Stunden von Hunderten gelesen, weil ich ihn an zwei wichtigen Punkten verlinkt hatte und so aktiv zur Diskussion beitrug. Das Web 2.0 hat die Kommunikation nachhaltig verändert und auch damit müssen Juristen und Öffentlichkeitsarbeiter umgehen lernen. Als Agentur mit Schwerpunkt Online-PR erleben wir täglich, dass wir an Netzkommunikation und Online-PR erinnern müssen. Das Ausmaß der Solidarität für Blogger Beckedahl hat die Bahn überrascht – uns nicht. Ein Netzwerk ist ein Netzwerk ist ein Netzwerk.

Im Falle von Bahn vs. Blogger hat sich die Bahn ein echtes Eigentor geschossen. Die tausenfachen Kommentare zum Thema sind nun im Internet verewigt und tauchen bei jeder Google-Suche zur Deutschen Bahn auf. Ein Lehrstück für alle Öffentlichkeitsarbeiter, die im Netz noch nicht so heimisch sind, wie wir es heute eben sein müssen.

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hat diesen Beitrag am Freitag, 6. Februar 2009, in der Kategorie Zeitgeschehen veröffentlicht und unter den Stichworten , , , , , , , abgelegt
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