Bei XING läuft gerade eine Diskussion darüber, ob Nokia vor dem Hintergrund der geplanten Werkschließung in Bochum ein Fall für Krisen-PR ist. Keine Frage, denn nicht nur in zahlreichen Blogs finden sich negative Beiträge, Unterschriftenlisten und wütende Kommentare. Aber schauen wir mal genauer hin: Erleben wir aktuell nicht vielleicht schon Phase 1 einer ausgeklügelten PR-Strategie - ohne es zu merken?
Der Trick in der Krisen-PR ist (vereinfacht dargestellt) ja eigentlich, Krisenpotentiale systematisch zu analysieren und Handlungen zu vermeiden, die Krisen auslösen können. Krisenprävention. Wenn ein Unternehmen sich aus kaufmännischen Überlegungen bewusst dazu entscheidet, eine potentielle Krise in Kauf zu nehmen, werden die Effekte im Vorfeld sehr genau auch abgewogen worden sein. Und Nokia weiß, dass sich mit einer guten PR-Strategie der Image-Schaden in Grenzen halten lässt.
Klar ist: Sollte Nokia hart bleiben, gäbe es für einen Krisenkommunikator keinen nennenswerten Spielraum, denn die klassischen Hebel der Krisenkommunikation greifen vor dem Hintergrund des bewusst Proteste in Kauf nehmenden Handelns nicht. "Sorry für das verantwortungslose Vorgehen, aber wir sind halt ein gewinnorientierter Großkonzern". Nicht so überzeugend.
Dann könnte die PR-Strategie nur lauten: Augen zu und durch - und hinterher eine flotte Werbekampagne um das Markenimage wieder positiv aufzuladen. Am besten flankiert durch ein soziales Engagement, das löscht den Brand dort, wo er emotional entstanden ist. Ganz pragmatisch. Kann auch gut gehen, muss es aber nicht. Also zu gefährlich.
Ich glaube deshalb vielmehr, dass von vornherein geplant war, einen (kleinen) Teil der Produktion in Deutschland zu belassen. Indem nun zunächst die komplette Schließung angekündigt wird, kann Nokia sich dann nach der ersten Aufregung als einsichtig und kompromissbereit präsentieren und alle stehen gut da:
Nicht nur Nokia, sondern auch die Gewerkschaften und die Politik, die heilfroh über "ihr" Ergebnis sind und es aus Eigeninteresse als bestmöglichen Erfolg kommunizieren werden. Vielleicht kann man es dann sogar noch so hindrehen, dass Nokia trotz ungünstiger Bedingungen aus Verantwortungsgefühl am Standort festhält. Das wäre klasse: Stellen abbauen und Dankbarkeit ernten. Tolle Krisen-PR.
Zumindest wäre das meine Strategie gewesen ;-)