Im sozialen Netz oder im „ganz realen“ Leben - wo man sich auch befindet, eine Gruppe wird immer mehr Einfluss haben als einzelne Personen. Darum gibt es Parteien, Unterschriftenaktionen und Demos – alles baut auf der Macht der Gruppe auf. Das dachten sich auch zwei israelische Metallica-Fans und gründeten, da sie die Karten für ein Konzert im Mai 2010 in Tel Aviv für zu teuer hielten, mal so eben eine Protestgruppe bei Facebook.
Fall 1: Metallica-Fans vs. Konzertveranstalter Fast 120 Euro sollte das günstigste Ticket kosten. Tomer Mussman und Rotem Horovitz wollten diese Preise nicht akzeptieren und riefen auf Facebook mit der Gruppe „Boycott Metallica's Israel show“ andere Fans zum gemeinsamen Boykott des Konzertes auf (vgl. shortnews.de). Wie erfolgreich sie waren, zeigt die Entwicklung der Anhängerzahl: Nach nur vier Tagen wies die Gruppe mehr als 6.000 Mitglieder auf, aktuell sind es über 9.000. Obwohl wahrscheinlich nicht so intendiert, war das Ganze eine sehr effektive PR-Kampagne: Diese rasante Entwicklung in der Boykott-Gruppe bei Facebook blieb den Musikmedien nicht verborgen, daraufhin stieg der Druck und so hörte auch Metallica irgendwann selbst von dieser Boykott-Aktion.
In Folge dessen redete Metallicas Management mit den Konzertveranstaltern und die Eintrittspreise wurden tatsächlich reduziert. Nun kostet die günstigste Karte noch umgerechnet 60 Euro, also sage und schreibe 50 Prozent weniger als zuvor (vgl. sueddeutsche.de). Die Initiatoren sind womöglich von dem Sieg über die „Kartenpreisindustrie“ mehr erfreut als über die Ersparnis der 60 Euro je Ticket. „Nach einer viertätigen Kampagne, weltweiten News-Beiträgen darüber, über 6.000 Unterstützern und Interviews in aller Welt haben wir es geschafft! Wir haben gewonnen!", so schreiben Mussman und Horovitz in ihrer Gruppe. Fall 2: Rage Against The Machine vs. X-Factor Dass sich in einer Gruppe zu den verschiedensten Zwecken, ob im Social Web oder auf der Straße, einfacher als allein bestimmte Wünsche durchsetzen lassen, beweist auch das Beispiel von „Rage Against The Machine“ versus „X-Factor“, eine im UK beliebte TalentShow.
Ein paar RATM-Fans waren genervt von der Tatsache, dass jedes Jahr vor Weihnachten ein Song aus genannter Casting-Show auf Platz 1 der englischen Charts stand (vgl. basicthinking.de). Daraufhin riefen sie – wiederum bei Facebook – zum (natürlich legalen, also gekauften) Download des ‚Rage Against The Machine’-Songs „Killing In The Name Of" von 1992 auf. Mit dieser Taktik gelang es tatsächlich, kurz vor Weihnachten den "X-Factor"-Sieger Joe McElderry von Platz 1 der UK-Charts zu verdrängen. Und warum? Weil’s geht.
Das Internet bietet sicherlich im Gegensatz zu der nicht-virtuellen Welt relativ gute, einfache Möglichkeiten, schnell eine gut funktionierende und anhängerstarke Gruppe zu gründen. Das lässt sich, gut durchdacht, auch zugunsten einer Imagebildung aus PR-Sicht nutzen. Doch manchmal wird im Netz auch einfach nur so „geschwärmt“ – manchmal für oder wider etwas oder auch nur aus reinem Vergnügen. Und oft einfach eben nur, weil’s geht.
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