Aus dem durchaus interessanten Spiegel-Online Artikel von Christian Stöcker zum Internet als Klassengesellschaft geht im Prinzip hervor, dass gerade im Bezug auf Social-Network Sites die Userschaft auseinanderdriftet. MySpace entwickle sich zum Netzwerk der Unterpriviligierten, Facebook und StudiVZ sind hauptsächlich akademisch und Hauptschüler bevorzugen die Plattform „Netlog“. Diese Aufteilung beginnt schon unter den Kleinen, da man selbst im SchülerVZ schon überproportional viele Gymnasiasten antrifft. Das dürfte keine großartige neue Erkenntnis sein, denn das Internet ist eben kein Hort der Gleichheit. Aber sollte diese Tatsache auch im Hinblick auf die PR nicht in Vergessenheit geraten.
Aus den Forschungsergebnissen der zitierten Ethnographin Danah Boyd geht hervor, dass der öffentliche Raum der nächsten Generation das Internet sei. Dieser ist von denselben gesellschaftlichen Spaltungen betroffen wie die der realen Öffentlichkeit. Und auch das ist eigentlich nur mehr als logisch: Das Internet macht die Menschen nicht gleich. Von einer Klassengesellschaft zu sprechen, finde ich dennoch etwas zu drastisch, wenn auch ein Funke Wahrheit dran sein mag. Gewiss ist das Internet aber Ort und Plattform verschiedener inhomogener Interessensgemeinschaften, die unterschiedliche Wege im Internet beschreiten. Da bilden Social Network-Sites wie MySpace, Xing oder Facebook keine Ausnahme, sondern eher die Regel.
Ein weiteres Beispiel ist der Microblogging-Dienst Twitter, der laut einer aktuellen W3B Studie überwiegend von Usern genutzt wird, die aus den Branchen EDV, Medien/Verlagswesen sowie Multimedia/Internet kommen. Und nebenbei bemerkt im Ranking der meistgenutzten Web 2.0-Anwendungen noch ganz unten rangiert.
Das Web 2.0 wird also nicht von allen Usern gleichermaßen genutzt und die Internetgesellschaft ist weder gleich, noch nivelliert sie gesellschaftliche Unterschiede der realen Öffentlichkeit.
Was bedeutet das aber für die PR?
Für die PR heißt das nicht, dass es einfacher geworden ist, seine Öffentlichkeiten zu erreichen. Sondern man muss erkennen, dass unterschiedliche Dialoggruppen auch online unterschiedliche Kanäle nutzen. Oder im Umkehrschluss: Wer eine bestimmte Bezugsgruppe erreichen will, sollte sich Gedanken machen, auch online den richtigen Kanal zu wählen.
So sind manchmal auch große Banken bei Medienanalysen überfordert und geben Kompetenzen an 15-jährige Praktikanten ab, wie jüngst bei Morgan Stanley geschehen. Inwiefern das aber dem Verständnis zur Nutzungsweise des Internets dienlich oder überhaupt repräsentativ ist, bleibt fraglich.
Wer unsicher ist, über welche digitalen Kanäle er seine Bezugsgruppen erreicht, wendet sich am besten an eine professionelle Online-PR-Agentur.
Von Clemens Marischen