Anfangs noch etwas leer in der content management area, ging es mit etwas Verspätung gegen 10:30 Uhr los. Die Begrüßung und Einführung übernahm Robert Basic vom Basic Thinking Blog, auf ihn folgten dann bis abends verschiedene Referenten mit Beiträgen unterschiedlicher Güte und Länge zu Social Media und Weblogs. Dass sich einige der Beiträge erst im Laufe des Tages ergaben, war Teil des offenen an Bootcamps angelehnte Konzepts, das meiner Ansicht nach erstaunlich gut funktioniert hat.
Gut gefallen, wenngleich etwas kurz geraten, hat mir Oliver Gassners Beitrag über die Unterschiede zwischen A-Bloggern in den USA und ihren deutschen Kollegen. Dieser liege einerseits in dem bearbeiteten Themenspektrum, was er anhand aggregierter Tagclouds schön visualisierte, andererseits in dem jeweils erreichten Professionalisierungsgrad: In den USA seien die erfolgreichen Blogs überwiegend gut vermarktete Teamblogs mit z.T. 1 Mio USD Jahresumsatz, während die deutschen A-Blogs in der Regel von einzenen Personen bestritten würden, die davon (noch) nicht leben könnten. Eine weitere Erkenntnis: Die Postingfrequenz sei bei ansonsten hoher Qualität des Blogs irrelevant für die Popularität, so Gassner am Beispiel von Lawblog.
Einen Vortrag ganz besonderer Art lieferte Prof. Hendrik Speck ab. Einige durchaus interessante Aspekte zu Social Networking Plattformen entschädigten für den zunächst zähen und thematisch unklaren Einstieg. Charakteristisch die fortwährend in den laufenden Satz hineingepeitschte Anweisung "Next", auf die hin sein Assistent zur nächsten Folie wechselte. Der Assistent wiederum verwechselte seinen kurzen Gastbeitrag mit einem Wettbewerb, möglichst häufig das Füllwort "entsprechend" in drei Minuten unterzubringen. Ich würde sagen, wir haben einen Gewinner.
Wolfgang Müller informierte in seinem Vortrag über Blog-Netzwerke. Blog-Netzwerke sind in den USA weit verbreitet und stellen - je nach Ausprägung - der Vermarktung dienende Zusammenschlüsse unabhängiger Blogs oder auch auf gemeinsamer technologischer Basis realisierte Netzwerke dar. Interessant: Das US-Netzwerk Growker zahlt einem Blogger mit 10 Postings täglich zwischen 2.000 und 5.000 USD monatlich. Das auch in Deutschland aktive Netzwek creative weblogging zahlt einem Blogger mit einem Posting täglich immerhin 225 USD monatlich.
Etliche weitere Vorträge rundeten den Tag ab und beleuchteten das Veranstaltungsthema von vielen weiteren Seiten. Mir persönlich leider viel zu kurz gekommen ist der Themenkomplex "PR im Web 2.0", aber dazu kann ich beim nächsten Mal vielleicht selbst einen Vortrag beisteuern.
Fazit:
Wer sich wie ich regelmäßig mit web 2.0 und Online-PR beschäftige, erfährt auf solch Veranstaltungen zwangsläufig immer weniger Neues. Der Besuch hat sich dennoch gelohnt, da ich beispielsweise von den Blognetzwerken vorher noch nichts gehört hatte. Man lernt eben nie aus. Bei einer Wiederholung dieses Veranstaltungsformats könnte man - auch angesichts des mehrheitlich fachlich vorbelasteten Publikums - etwas mehr Mut zur Detailtiefe zeigen und den Sinn von Kurzvorträgen hinterfragen, die an der Oberfläche verharren. Alles in allem war es aber ein durchaus interessanter Tag. Daher abschließend ein großes Lob an Bjoern Negelmann und das gesamte Team für diese gelunge Veranstaltung!