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„Statement on Wikipedia“? Heiße Luft! – Ein kritischer Kommentar

Wikipedia

© Wikimedia Foundation

Elf PR-Agenturen aus den USA haben eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, die ihre Arbeit in Wikipedia betrifft. Was auf den ersten Blick wie ein gewaltiger Fortschritt in der Diskussion um bezahlte Beiträge wirkt, ist in Wirklichkeit eher ein zahnloser Tiger ohne konkreten Mehrwert – und zeigt, dass die PR-Branche Wikipedia immer noch nicht versteht.

Der 7. Februar dieses Jahres dürfte ein spannender Tag gewesen sein: Im Washingtoner Donovan House trafen Vertreter der PR-Branche auf engagierte Mitglieder der Wikipedia-Community, um über ihre Beziehung zu diskutieren. Ergebnis dieses Zusammentreffens war ein „Statement on Wikipedia“, das unter anderem Vertreter von Ogilvy & Mather, Edelman, Ketchum, Burson-Marsteller und Fleishman-Hillard unterschrieben haben. Mit der Erklärung wollen die Beteiligten klarstellen, dass sie sich an die Regeln der Wikipedia halten – und diese auch ihren Kunden einbläuen.

Jetzt neu: PR in Wikipedia, die sich an die Regeln hält

Grundsätzlich ist das Anliegen der Beteiligten lobenswert, es dürfte das Verhältnis zwischen PR-Leuten und Wikipedia aber trotzdem nicht wesentlich verbessern. Denn: Die Erklärung gibt letztendlich nur das wieder, was ohnehin seit Jahren gilt. An die fünf Leitsätze, denen sich die Unterzeichner ab sofort unterwerfen wollen, muss sich auch heute schon jeder PR-Fachmann in Wikipedia halten. Die Erklärung geht nicht einmal ansatzweise über die Mindeststandards hinaus, die von der Community bestimmt wurden.

Mehr noch: Die Transparenz kommt in der Erklärung erstaunlich kurz. Es ist keine Rede davon, wie man die Bereitstellung von Informationen zur Verbesserung der Artikel von Kunden konkret organisieren will. Aus gutem Grund konzentrieren sich Agenturen wie Aufgesang und Sucomo seit einiger Zeit darauf, in Sachen Wikipedia primär zu beraten und direkte Eingriffe wo immer möglich zu vermeiden. Einige der unterzeichnenden PR-Agenturen haben in der Vergangenheit vollkommen abgestritten, überhaupt in Wikipedia aktiv zu sein – und vollziehen mit der Erklärung nun eine Kehrtwende, die in der Community für Wirbel sorgen dürfte.

Kurzum: Gut gemeint ist hier wieder einmal nicht gut gemacht. Der Zweck des „Statements“ bleibt im Dunkeln, konkrete Hilfe zu Wikipedia bietet es weder den Kunden noch der Community. Für Burson-Marsteller und Co. ist die Erklärung vor allem hervorragende PR in eigener Sache.

Über den Autor

Markus FranzMarkus Franz ist Geschäftsführer von Sucomo, die Agentur ist Partner von Aufgesang Public Relations. Mit seinem Team hilft er kleinen und großen Unternehmen, die Welt des freien Wissens und besonders Wikipedia ein Stück besser zu verstehen. Er erklärt die offiziellen und inoffiziellen Richtlinien, sodass Unternehmen an der Enzyklopädie mitarbeiten können, ohne es sich mit der Community zu verscherzen – ob absichtlich oder unabsichtlich.

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hat diesen Beitrag am Donnerstag, 12. Juni 2014, in der Kategorie Zeitgeschehen veröffentlicht und unter den Stichworten , abgelegt
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1 Kommentar to '„Statement on Wikipedia“? Heiße Luft! – Ein kritischer Kommentar'

Alfred Meier
13. Juni 2014

Naja, Sucomo übertreibt es auch nicht gerade mit den Offenheit. Die Webseite zeigt seit vielen Jahren(!) immer abwechseln “nicht verfügbar” und “hier entsteht bald eine Homepage”, der teils in Publikationen zur Kommunikation angegebene Twitteraccount wird immer wieder deaktiviert und ist aktuell nach einer Löschung von einen Drittanbieter übernommen, E-Mail Adressen sind nicht verfügbar, die pro-bono Wikipedia Arbeit wurde sang- und klanglos eingestellt etc. etc.
Alles im Rahmen fast manisch-depressiver Aktivitätsschwankungen von Sucomo…

Transparenz geht anders, Herr Franz!

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